Elektronik

Die Wiederbelebung der Audioengine 5

Die Vorgeschichte

Vor etwa neun Jahren kaufte ich mir ein Paar Aktivlautsprecher, die großartigen Audioengine 5. Ihr Sound war fantastisch und ich hatte über viele Jahre hinweg Spaß mit ihnen. Leider begannen sie in den letzten zwei oder drei Jahren nach ein paar Minuten Stille ein wirklich übles Knacken zu erzeugen. Ich schätze, es war der Moment, in dem der eingebaute Verstärker kein Eingangssignal erkannte und in den Standby-Modus wechselte.

Dieses Geräusch wurde mit der Zeit immer stärker. Außerdem knisterte es beim Musik abspielen und ich begann, die Lautsprecher immer weniger zu benutzen. So verging die Zeit und die guten Teile wurden langsam staubig...

Eine neue Leidenschaft

Wie ich hier vor einiger Zeit bereits schrieb, habe ich das Holzwerken als eine neue Leidenschaft für mich entdeckt. Diese Leidenschaft - Holzbearbeitung im Allgemeinen - umfasst auch den Bau von Lautsprechern mit WiFi und all diesen ausgefallenen Features wie Apple Airplay, Spotify Connect und Bluetooth. Ich habe viele Artikel über den Bau solcher Lautsprecher gelesen, unzählige Videos auf YouTube angeschaut und viele technische Daten diverser Verstärker-Platinen studiert. Dabei habe ich eine Menge gelernt.

Ich habe sogar verschiedene Linux-Distributionen für den Raspberry Pi ausprobiert und begann, meine eigene webbasierte Admin-Software mit Swift on ARM für den Pi zur Administration und Konfiguration von Pi-basierten Lautsprechern zu programmieren.

Dann entdeckte ich eine neue Firma namens Arylic, die ihr brandneues "Up2Stream Mini WiFi Audio Receiver Module" anbot. Ich las dessen Spezifikationen und war begeistert.

  • Android & iOS Support
  • Apple Airplay, Spotify Connect, DLNA
  • Lossless Audio
  • Support verschiedener Streaming-Services wie: TuneIn, iHeartRadio, Deezer, Tidal etc.
  • Multi-Room, Erweiterbares System (Synchronous)
  • Multi-Zone Streaming
  • Links/Rechts Stereo Lautsprecher Paare einrichten
  • und Vieles mehr...

Dies könnte die Lösung sein, die ich für den Bau von WiFi-basierten Lautsprechern mit all diesen oben genannten Funktionen suchte.

Die Idee der Widerauferstehung der Audioengine 5

Ich schlief ein paar Nächte darüber und die Idee nahm Gestalt an. Die wichtigste Frage jedoch war:

Wie genau sollte ich das Board integrieren, um die Lautsprecher wieder zum Leben zu erwecken?

Lange Rede kurzer Sinn: Ich dachte, der effektivste Weg sei, den eingebauten Verstärker zu entfernen und komplett neue Hardware mit dem Arylic Up2Stream Board zu installieren. Gesagt, getan. Naja, fast jedenfalls...

Ausbau des eingebauten Verstärkers

Dieser Schritt war ganz einfach und unkompliziert. Ich musste nur eine Menge Schrauben an der Backplane lösen. Alle Komponenten des Verstärkers wurden direkt auf der Innenseite dieser Backplane montiert - zwei Leiterplatten, ein großer Kühlkörper und ein riesiger und sehr schwerer Ringkerntrafo. All dies war sehr schnell demontiert.

Ich hatte nur ein kleines Problem zu lösen. Die Frequenzweiche für den aktiven der Beiden Lautsprecher (der andere ist passiv und wird vom Aktiven angetrieben) befand sich auf der gleichen Platine, auf der sich der Verstärker befand. Irgendwie musste ich Verstärker und Frequenzweiche voneinander trennen. Nach einigem Überlegen war die Lösung doch recht einfach.

Ich musste einfach den professionellen Weg gehen. Meine gute alte Kappensäge würde den Job erledigen... 😎

Do it like a Pro

Das Ausgangssignal der Up2Stream-Karte ist nur Line-Out. In den meisten Fällen muss es für den Einsatz in einem solchen Lautsprecher verstärkt werden. Ich entschied mich für das KAB-215 von Dayton Audio (das sich am Ende als nicht so toll herausstellte, aber später mehr dazu), zusammen mit einem kleinen, 15V (max.) Mean Well Schaltnetzteil.

Zusammen mit dem KAB-215 Board habe ich die optionalen Funktionskabel und die Aluminiumhalterung gekauft. Diese Aluminiumhalterung war eine gute Entscheidung, denn sie ist für die Montage der Verstärkerplatine gedacht. Ich habe einfach noch ein paar weitere Löcher hineingebohrt und das Netzteil auf der Rückseite platziert. Auf dieser Halterung befinden sich nun sowohl der Dayton Audio Verstärker als auch das Mean Well Netzteil. In Wirklichkeit ist sogar noch eine weitere Komponente verbaut, nämlich ein DC/DC Step Down Converter, der den 15V DC-Ausgang des Netzteils auf 5V DC für die Stromversorgung des Up2Stream-Boards umwandelt.

Zusätzliche Löcher für den DC/DC Converter
Netzteil auf der Rückseite
Montierter DC/DC Konverter

Nach einer schnellen, testweise Verdrahtung aller Komponenten, passierte das Unerwartete. Plötzlich verbreitete sich ein starker beißender Geruch und eine winzige Wolke aus "Magischem Rauch" bildete sich über dem Up2Stream-Board. 😡

Verdammt, ich habe es zerstört.

Aber zum Glück, ich hatte drei von ihnen gekauft habe. Also überprüfte ich alle Kabel doppelt und dreifach, behebte meinen Verdrahtungsfehler und schlatete den Strom ein zweites Mal an.
Ja! Es hat wie erwartet funktioniert.


Das Gröbste war erledigt. Ich kürzte alle Kabel auf die richtigen Längen und lötete sie zusammen, verband sie zu Kabelbündeln, füllte den Lautsprecher mit neuem Isoliermaterial und baute alles wieder zusammen.

Original Hardware
Neue Hardware

Der Test

Für die Wiedergabe von Musik auf dem Up2Stream-Board schlägt Arylic vor, ihre eigene 4Stream iOS-App zu verwenden (ich schätze, es gibt auch eine Android-Version). Sie unterstützt verschiedene Streaming-Dienste wie TuneIn, Tidal, Deezer, Qobuz, iHeartRadio und viele mehr. Man kann Apple Airplay und Spotify Connect verwenden, oder Musik direkt von eigenen NAS über DLNA streamen. Die App hat eine schlichte Oberfläche und ist sehr intuitiv zu bedienen.

Arylic sagt, dass es Multi-Room und Multi-Zone unterstützt und man kann sogar zwei dieser Up2Stream-Boards als ein einziges Stereo-Lautsprecherpaar einrichten. Da ich aktuell nicht über mehrere dieser Boards in meinem eigenen Setup verfüge, kann ich es zur Zeit nicht testen. Aber es gibt einige Videos auf YouTube zu diesem Thema.

Endlich sind sie wieder da

Nun, und jetzt sind sie wieder da. Ich bin "fast" glücklich damit. Nachdem ich verschiedene Musikdateien aus meiner Bibliothek abgespielt und verschiedene Streaming-Dienste ausprobiert habe, kann ich sagen, dass die Handhabung dieser Lautsprecher über WiFi sehr bequem ist! Leider scheint die Verstärkerplatine, die ich hierfür benutzt habe, nicht genug Leistung zu haben, um einen tollen Sound zu erzeugen. Der Klang ist in Ordnung, aber es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten. Vielleicht werde ich später eine leistungsfähigere Version von Dayton Audio ausprobieren, aber im Moment ist es OK, so wie es ist.


Und hier nun eine sehr kurze Darstellung der Auferstehung. Viel Spaß damit...